Junge Latinos fahren auf Elektro-Töffs ab

In Zürich boomen die Elektro-Scooter – vor allem bei den Latinos an der Langstrasse. Auch schweizweit ist das Interesse an den lautlosen Rollern gestiegen.

Alle kommen sie leise auf ihren Elektro-Töffs angerollt. Rund 30 Latinos werden an der Bäckeranlage erwartet. Es steht ein Video-Dreh mit dominikanischen Rappern an, in dem auch ihre E-Töffs zu sehen sein sollen. Es herrscht ein Sprachen-Mix aus Schweizerdeutsch und Spanisch, der Hip-Hop dröhnt aus dem Lautsprecher. «Der E-Töff ist ideal für die Stadt und auch noch ökologisch», antwortet Victor (28) auf die Frage, warum er von diesem Fortbewegungsmittel so begeistert ist. Er war der Erste aus der Crew mit einem E-Töff. Mittlerweile boomt das Zweirad in der ganzen Stadt.

Dass die E-Mofas so beliebt sind, freut vor allem auch Harvey Noriega und Gianni Sentina von eMove Motors. Sie sind laut eigenen Angaben die einzigen Händler in der Stadt. Das Geschäft läuft gut: «Rund 60 Prozent unserer Verkäufe gehen mittlerweile auf die E-Töffs zurück», sagt Noriega. «Sogar aus anderen Kantonen kommen sie her, um einen unserer direkt aus China importierten E-Töffs zu ergattern. Nicht nur Junge, alle Altersklassen sind daran interessiert.»

Ohne Helm fahrbar

Die Verkaufszahlen begünstigen könnten die neuesten Bestimmungen vom Bundesamt für Strassen (Astra), die vor gut zweieinhalb Jahren in Kraft getreten sind. E-Bikes bis 500 Watt gehören seither zur Kategorie «Leichtmotor-Fahrräder» und dürfen ohne Pedalbetätigung bis zu 20 km/h schnell sein, mit Tretunterstützung sogar bis zu 25 km/h. In diese Kategorie gehören nun die besagten E-Töffs und dürfen ohne Helm und ohne Prüfung gefahren werden. «Der Bundesrat hat damals entschieden, die bisherigen Regeln zu vereinfachen. Man wollte der grundsätzlich positiven Entwicklung der E-Bikes nicht im Weg stehen», erklärt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach.

«Es macht Riesenspass»

Die Latino-Crew, die sich auch die Loco-Gang nennt, ist der beste Werbeträger für den E-Töff, da die Mitglieder so zahlreich in der Stadt sind. Die meisten in der Gruppe stammen ursprünglich aus der Dominikanischen Republik, kommen aus den Stadtkreisen 3, 4 und 5 und hören gern Hip-Hop. So auch Alex «El Mecánico», der bei eMove Motors angestellt ist. «Es macht Riesenspass, zusammen mit den E-Töffs auf Spritzfahrten zu gehen und an ihnen zu basteln.»

Das Interesse an E-Töffs sei erst in letzter Zeit auch schweizweit gestiegen, sagt Bernhard Schneider von NewRide, einem Verein, der die Markteinführung von Elektro-Zweirädern unterstützt: «Dies überrascht uns, wir hätten eigentlich mit einem früheren und schnelleren Durchbruch gerechnet.» Aber offenbar dauere es länger, bis sich Interessierte zum Kauf eines Elektro-Scooters entschieden, als bei den E-Velos. «Dies hat wohl auch damit zu tun, dass sie im Durchschnitt teurer sind.» Für einen E-Töff müssen Interessierte mit einem Preis ab 2000 Franken rechnen.

Holger Karter von E-Mofas in Volketswil, laut eigenen Angaben der grösste Importeur auf dem Gebiet, sagt: «Wir verkaufen pro Monat mindestens einen Container voll dieser Fahrzeuge.» Das seien rund 25 E-Mofas. Ein grosses Geschäft sei auch die Vermietung: «Grund dafür ist wohl die dieses Jahr stark gestiegene Anzahl von Fahrausweisentzügen», so Karter. Die meisten dürften nach dem Fahrausweisentzug den Ausweis der Kategorie M behalten und somit weiterhin E-Mofas fahren.

Daniel Bachofner, Projektleiter von Pro-Velo, will sich zur Sicherheit der E-Töffs nicht äussern. «Aus ökologischer Sicht ist es aber unbestrittenermassen besser, mit einem effizienten E-Scooter herumzukurven als mit einem Töffli mit Verbrennungsmotor», sagt er.

von kv/tab

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